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Heirate Dich selbst,dann ist es egal wen Du liebst

Valentinstag 2022

· THOUGHTS OF THE DAY

„Magst Du Massagen?“ begrüßt mich Alex, ein stadtbekannter, mir allerdings völlig Fremder Galerist am Sonntagmorgen. Willkommen auf Tinder! Ich lese den einfachen Satz mehrmals, bevor ich ihn überhaupt richtig entziffere, muss ich doch stutzen über so viel unverblümte Direktheit. 

Auch Sunny1964, der einen 8-jährigen Sohn hat, aber ja eigentlich nur noch auf dem Papier verheiratet ist, bleibt lieber anonym und antwortet vorsorglich lieber nicht darauf, ob er mit der Mutter seines Kindes noch unter einem Dach lebt. Dafür lässt er aber keine Fragen offen, als er mich in seiner Nachricht, an Stellen meines Körpers wachküsst, die ich selbst bisher nich kannte. Dazu ein Foto eines weiblichen Hinterteils auf dem eine Tasse Kaffee steht. Als ich ihn darauf hinweise, dass dies doch aber gar nicht meiner wäre, schreibt er …sorry Kopfkino! Und während sein Film noch ein wenig weiter läuft, ist bei mir der romantische Gedanke an ein Happy End schon wieder verflogen.   

Der Nächste heißt Leo und zeigt neben seinem Profilbild einen Vollmond über einem Felsen. Er sieht so verheißungsvoll aus, dass ich überlege, das Angebot einer Platinmitgliedschaft für 43,99EUR zu nutzen, um ihm schon vor einem match eine Nachricht schreiben zu können. Gesagt getan, und ein smiley mit zwei Herzchenaugen mit dem Satz „Hey Leo, let’s fly to the moon“ abgeschickt. Und Bingo, später am Abend sehe ich auf meinem display, „Du hast ein neues match und eine Nachricht von Leo“. Ich bin aufgeregt, noch nie war ich so überzeugt mein Geld sinnvoller investiert zu haben. Als ich dann jedoch die app öffne, sind sowohl Leo als auch seine Nachricht verschwunden. Im Fachjargon nennt man das „Ghosting“, das zeigt zwar, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht, aber ich finde das eher beunruhigend als tröstend. Und obwohl ich diese Männer ja auchgar nicht kenne, gehe ich enttäuscht und müde schlafen. Ich bin dünnhäutig geworden. Ich vermisse die Nähe einer Liebesbeziehung, emotional und körperlich. 

Ich habe Lust mich zu verlieben, will mit Jemandem zusammen sein, der bereit ist sich auf mich einzulassen, auf eine Beziehung mit commitment. Ich spüre die Sehnsucht nach einer echten Verbindung mit einem Menschen, mit dem ich gemeinsam den Weg gehen kann, auch wenn er manchmal holprig ist. Schulterschluss statt flüchtiger Affäre. Vielleicht findet man auf Tinder nicht gleich den Mann zum Heiraten, aber ich möchte gesehen werden und das Gefühl haben gemeint zu sein, eine Bedeutung haben für den Anderen. Und plötzlich wird mir klar, dass dieses Gefühl fast so alt ist, wie ich selbst.

Aber heisst es nicht, dass wir uns erst einmal selbst lieben müssen, bevor es ein anderer tut und dass uns eine Verbindung im Außen nie den inneren Halt zurückgeben kann. Das heisst nicht, dass man sich immer toll finden muss, wenn es gerade kein anderer tut, sondern hier geht es vielmehr darum sich selbst die Aufmerkasamkeit zu schenken, die man von anderern erwartet, sich selbst anzunehmen mit seinen Ängsten und den eigenen Schattenseiten,  und offen zu bleiben, auch wenn man sich verunsichert fühlt und am liebsten alle alten Schutzmauern und Geschosse hochfahren würde. Und sich bewusst zu machen, dass Kummer, Wut, Angst und Selbstzweifel passagere Zustände sind, während Selbstfürsorge einen festen Wert im eigenen Leben einnehmen sollte. Also klettere ich auf meinen eigenen Schoß und führe so lange ein Zwiegespräch mit meinem verletzten kleinen ich, bis nicht nur die Tränen fliessen sondern auch wieder die Energie durch mein Herzchakra.    

Alex schicke ich zum Abschied noch eine kurze Nachricht:„Ich mag messages, mit Herz und Hirn, Geist, Humor und Verstand…Ausgang dann auch gern mit „Happy Ending“. 

 

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